
Branchenreport veröffentlicht
Radlogistikbranche meldet rote Null
190 Millionen Euro Umsatz und 5500 Beschäftigte, das sind die aktuellen Kennzahlen der deutschen Radlogistikbranche, die aus dem neu veröffentlichten Branchenreport Radlogistik 2026 hervorgehen. Diesen hat der Radlogistikverband Deutschland e.V. (RLVD) gemeinsam mit der Technischen Hochschule Wildau veröffentlicht.
Erstmals seit Jahren hat das Ökosystem der Radlogistik damit keine Zuwächse mehr verzeichnet. Der Umsatz ist nahezu auf Niveau des Vorjahres. Die Zahl der Beschäftigten ist leicht rückläufig, hat sich jedoch seit 2020 mehr als verdoppelt (+111 Prozent). Stabil geblieben ist auch die Produktion von Lastenrädern und Anhängern mit rund 37.000 Einheiten. Die Zahl der operativen Radlogistikunternehmen ist leicht gesunken, von 112 auf 107, was laut Verband auf eine einsetzende Konsolidierung hindeutet.
Ernst Brust, Vorstandsvorsitzender des RLVD, sagt: „Die rote Null ist ein Weckruf – aber kein Grund zur Resignation. Unser Ökosystem hat sich in fünf Jahren mehr als verdoppelt, bei Umsatz wie bei Beschäftigung. Dieses Fundament ist tragfähig. Was jetzt fehlt, ist ein politischer Rahmen, der nicht länger Verbrenner subventioniert, sondern die effizienteste Form der urbanen Logistik fördert. Commercial Cargo Bikes brauchen nur zehn Prozent der Energie konventioneller Nutzfahrzeuge. Wer in Zeiten knapper Kassen Kosten sparen will, muss auf das Lastenrad setzen.“
Rund 5,4 Millionen Kilometer wurden 2025 per Lastenrad zurückgelegt, wodurch rund 1400 Tonnen CO₂ eingespart wurden. Tödliche Unfälle im Zusammenhang mit der Lastenradnutzung gab es erneut keine. Die um 8 Prozent gesteigene Hersteller Zahl sowie der um 6 Prozent angewachsene Bereich Handel, Service und Werkstätten beweisen für die Verantwortlichen, dass die Innovationskraft der Branche ungebrochen ist. Lastenräder und Lastenanhänger würden demnach in immer mehr Wirtschaftsbereichen abseits der Logistik verwendet.
Verhaltener Optimismus
84 Prozent der Befragten gaben an, 2026 mindestens stabile Umsätze zu erwarten. Die Hälfte rechnet sogar mit Wachstum. Weiter gehen 46 Prozent von einer konstanten Belegschaft aus, 35 Prozent planen Personalaufbau. Das erwartete jährliche Wachstum für die nächsten fünf Jahre liegt bei im Mittel bei 14 Prozent.
Ursachen für die schwächelnde Entwicklung sieht die Branche in der schwachen Konjunktur sowie einer fehlgeleiteten Verkehrs- und Wirtschaftspolitik des Bundes. An die Politik gibt es deutliche Forderungen. Die Fahrradinfrastruktur solle die Bundesregierung konsequent ausbauen, Zero Emission Zones in Innenstädten einrichten und die Verkehrssicherheit stärker priorisieren.
Weiter drängt die Branche auf einen innovationsoffenen Rechtsrahmen für Commercial Cargo Bikes, wozu man mit Zukunft Fahrrad und dem Zweirad-Industrie-Verband an einem Strang ziehen wolle velobiz.de berichtete . Weitere Forderungen bestehen darin, eine verlässliche Förderkulisse für gewerbliche Lastenräder, bessere Bedingungen für Startups und höhere CO₂-Preise zu schaffen. Zudem gelte es, Bürokratie abzubauen und Nachhaltigkeitskriterien in öffentlichen Ausschreibungen zu verankern.
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