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Kolumne - Gegenwind

Veränderungen

Dieser Moment, in dem der Lärm kurz leiser wird. Termine weichen Erinnerungen, Kalenderseiten drehen sich, und plötzlich ist Raum da. Raum zum Zurückschauen, Durchatmen, Sortieren. Und vielleicht auch dafür, Wünsche zu äußern. Rückblickend war 2025 ein Jahr, das...

... Hoffnung genährt hat. Nicht, weil alles gut war. Sondern, weil vieles anders war. Weil wir gesehen haben, dass Bewegung möglich ist. Nicht durch laute Paukenschläge, sondern durch leise Verschiebungen.

Wir haben unzählige Nachrichten bekommen. Auf Linked-in. Per E-Mail. Bei Events. Von Kolleginnen, die ähnliche Erfahrungen teilen. Von Wegbegleiterinnen, die ihre Stimme erheben. Und, das hat uns besonders berührt, auch von Männern. Von denen, die gelesen haben, was wir geschrieben haben, und sich nicht weggedreht haben. Sondern zugehört. Nachgedacht. Wiedererkannt. Veränderung passiert nicht nur auf Panels, Preisverleihungen oder in Statements. Sie passiert im Vorbeigehen, beim gemeinsamen Kaffee nach einem langen Messetag, in Gesprächen, in denen niemand applaudiert und keine Kamera mitläuft.

Was wir uns für 2026 wünschen? Dass genau das weitergeht. Dass die, die schon einen Schritt gegangen sind, nicht stehen bleiben. Sondern anfangen, sichtbar zu werden. Nicht nur im Kopf nicken, sondern auch im Raum. Wenn wieder jemand einen Kommentar macht, der mit »War doch nur nett gemeint« abgetan wird. Wenn Kolleginnen übergangen werden, obwohl sie genauso vorbereitet sind wie ihre männlichen Pendants. Wenn die alte Leier von den »emotionalen Frauen« wieder ausgepackt wird.

Es braucht nicht nur das stille Verstehen. Es braucht Menschen, die den Mund aufmachen. Die nicht nur beobachten, sondern benennen, was sie sehen. Und es braucht die Bereitschaft, nicht gleich in Abwehr zu gehen, wenn etwas ungewohnt klingt. Nicht jede Irritation ist ein Angriff. Manchmal ist sie eine Einladung, das eigene Bild zu erweitern.

Die Reaktionen auf unsere Texte sind da ein guter Seismograph. Da ist ehrliches Interesse. Aber auch Trotz. Gekränktheit. Und manchmal Abwehr. Sätze wie »So sehe ich das aber nicht« begegnen uns regelmäßig. Dabei geht es gar nicht darum, dass alle immer einer Meinung sind. Es geht nicht ums Rechthaben. Es geht ums Verstehen. Und dafür muss man nicht zustimmen. Man muss nur zuhören können. Vielleicht beginnt echte Veränderung genau da. Nicht mit dem nächsten Strategiepapier. Sondern in einem ehrlichen Gespräch zwischen zwei Menschen, die sich wirklich zuhören wollen.

Was wir uns außerdem wünschen: Dass Frauen aufhören, sich gegenseitig als Konkurrenz zu sehen. Wir wissen, wie dieser Reflex entsteht. Der Eindruck, es gebe nur einen Platz am Tisch. Der subtile Wettbewerb um Sichtbarkeit, Einfluss, Sicherheit. Aber dieses Denken schwächt uns. Es stellt das eigene Vorankommen über das große Ganze. Und genau da verlieren wir.

Was wäre, wenn wir es anders machen? Wenn wir einander nicht mehr als Bedrohung sehen, sondern als Verbündete. Wenn wir uns gegenseitig stützen, statt zu vergleichen. Wenn wir Räume schaffen, in denen jede wachsen darf, ohne Angst, ersetzt zu werden.

Vielleicht ist das unser größter Wunsch für das neue Jahr. Dass aus Einzelkämpferinnen ein echtes »Wir« wird. Mit all denen, die längst neben uns stehen. Und mit denen, die bereit sind, dazuzukommen.

Veränderung ist möglich. Wir haben sie gesehen. Und wir machen weiter. Mit Hoffnung. Mit Haltung. Und mit offenem Ohr.

Weiter geht es in der nächsten Ausgabe, aber mit einem Wechsel: Dani Odesser wird ein Sabbatical antreten, Karla Sommer dann diese Kolumne mit einer neuen Partnerin fortsetzen.

10. Februar 2026 von Karla Sommer und Dani Odesser
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