
Fußgänger contra Lastenräder
Verbandsdebatte um Verbote, Einschränkungen und Strafen
„Die aktuelle Diskussion zeigt vor allem eines: Wir stehen vor einer gemeinsamen infrastrukturellen Herausforderung“, erklärt der RLVD-Vorstandsvorsitzende Ernst Brust. „Konflikte entstehen dort, wo Verkehrsflächen zu eng, unklar geführt oder überlastet sind. Diese Situation betrifft Fuß-, Rad- und Autoverkehr gleichermaßen.“ Sicherheit wird vom Radlogistikverband als gemeinsames Ziel verstanden.
Hintergrund der jetzt erfolgten Stellungnahme des RLVD ist die Diskussion über Einschränkungen für Lastenräder auf schmalen Radwegen sowie auf gemeinsamen Geh- und Radwegen. In diesem Zusammenhang wurden auch verschärfte Sanktionen und eine Führerscheinpflicht für Lastenradfahrende durch FUSS e.V. vorgeschlagen.
Der RLVD hält eine Führerscheinpflicht zum Führen und Fahren eines Lastenrades für nicht geeignet, um die Verkehrssicherheit nachhaltig zu verbessern. „Eine solche Regelung wäre unverhältnismäßig, bürokratisch und würde sowohl Familien als auch Betriebe belasten“, so Brust. „Unser gemeinsames Ziel sollte sein, Risiken zu minimieren – nicht neue Hürden für klimafreundliche Mobilität aufzubauen.“
Gleichzeitig bekennt sich der Verband klar zur Verantwortung der Nutzerinnen und Nutzer von Lastenrädern. Um die Sicherheit weiter zu erhöhen, schlägt der RLVD eine freiwillige, praxisnahe Sicherheits- und Fahrzeugunterweisung vor, insbesondere im gewerblichen Einsatz. „Sicherheit entsteht durch Kompetenz, gegenseitige Rücksicht und klare Rahmenbedingungen – nicht allein durch Verbote“, betont der RLVD. Zudem sei eine entsprechende Radverkehrsinfrastruktur ein elementarer Baustein sicherer und komfortabler Verkehrsführung. Ein zentraler Hebel zur Verbesserung der Situation ist aus Sicht des RLVD eine zukunftsfähige Infrastruktur, die den veränderten Anforderungen des urbanen Verkehrs gerecht wird.
Der RLVD ist überzeugt, dass nachhaltige Lösungen nur im Dialog entstehen. Statt einseitiger Regelungen plädiert der Verband für einen kooperativen Ansatz:
„Wir laden den FUSS e.V. ein, gemeinsam mit uns und weiteren Akteuren in einen strukturierten Austausch zu treten“, so Ernst Brust. „Unser gemeinsames Ziel ist klar: Vision Zero, eine gerechte Aufteilung des öffentlichen Raums und eine Verkehrswende, die Sicherheit, Klimaschutz und städtisches Leben zusammenbringt.“
Der RLVD bietet an, seine Praxiserfahrung aus der Radlogistik in diesen Prozess einzubringen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die für Fußgängerinnen und Fußgänger ebenso wie für den Rad- und Wirtschaftsverkehr tragfähig sind.
Verknüpfte Firmen abonnieren
für unsere Abonnenten sichtbar.