
AZT-Studie
Wie gefährlich ist Radfahren?
Auf über 100 Seiten lässt sich die Studie darüber aus, welche Gefahren durch das Radfahren bestehen, wie hoch die weltweiten Unfallzahlen sind und dass es ethisch geboten sei, etwas dagegen zu tun. Allerdings ist es nicht so leicht möglich, die für den Fahrradverkehr relevanten Zahlen herauszufiltern.
Eine Leseschwierigkeit besteht darin, dass zu dieser Zweirad-Betrachtung auch Motorräder zählen. Unter Radverkehr ist in der Studie ebenfalls beides gemeinsam zu verstehen. Eine Unterscheidung gibt es eher beiläufig - eingeführt zwischen Fahrrädern (mit E-Bikes) und motorisierten Rädern. Ob es sinnvoll ist, den Motorrad- und Fahrradverkehr in einer Analyse zusammenzufassen, sei dahingestellt. Ebenso fraglich ist, ob globale Zahlen allzu viel Aussagekraft für den deutschen Fahrradverkehr haben.
Allerdings finden sich auch einige interessante Zahlen. So widerspricht die Studie auf der Basis der Zahlen des Deutschen Mobilitätspanels der üblichen Darstellung, dass E-Bike-Fahren angesichts der häufigeren Nutzung genauso sicher sei wie das Normalfahrrad. „Jeder dritte getötete Fahrradfahrer in Deutschland ist heute ein mit dem Elektrofahrrad verunglückt, bei lediglich einem Sechstel der Kilometerleistung“, heißt es etwa.
Bei der Lektüre fällt auf, dass einerseits in deutlichen Worten die Unfallgefahren von Zweiradmobilität beschrieben werden, die Studie es aber andererseits gleichzeitig schafft, den Aspekt der Unfallgegner bei Fahrradunfällen unterzubelichten. Der durchaus vorhandene Hinweis, dass rund drei Viertel der Unfälle im Zusammenhang mit anderen Verkehrsteilnehmern, zumeist Autos, geschehen, führt nicht etwa zu dem Schluss, dass die bestehende Infrastruktur für Radfahrende nicht gut genug ist, sondern dass Infrastruktur allein nicht ausreicht. Das Wort „Tempolimit“ findet sich nicht auf den Seiten.
Helmpflicht für Kinder und E-Bike-Nutzende gefordert
Stattdessen wird eine Helmpflicht für Kinder bis 14 Jahre und E-Bike-Fahrerinnen und Fahrer gefordert, da hier bereits von einer hohen Zahl an Menschen ihren Nutzen anerkennen würden. Offenkundig wurde das Papier nicht von Fahrradaktivisten geschrieben, sondern eher aus der Perspektive der Versicherungswirtschaft verfasst, die mit mit einem andern Blick auf das Verkehrsgeschehen schaut. Man darf annehmen, dass eine möglichst schnelle Reduzierung der Schadenssummen im Vordergrund steht, was selbstverständlich auch im Sinne der Radfahrenden ist, aber das Radfahren an sich nicht besser macht. „Der vorliegende Report ist aber keine Mobilitäts-, sondern eine Sicherheitsbetrachtung“, schreiben die Autoren selbst.
Entsprechend darf man sich nicht über die Nachrichten der letzten Tage wundern, als etwa die "Zeit" titelte „E-Bike fahren kann lebensgefährlich sein“. Allerdings war die mediale Welle nicht so groß, wie man vielleicht erwarten konnte. Der zeitgleich stattfindende Schweizer Vorstoß, eine Fahrradvignette (wieder) einzuführen, erregte deutlich mehr Gemüter. Scheinbar ist das Interesse an der Helmpflicht und der Forderung danach kein aktuelles Thema. Selbst der ADFC winkte fast schon gelangweilt ab bei unserer Anfrage zu einer Stellungnahme. Zu diesem Thema sei bereits alles gesagt.
Wer sich das Werk selbst durchlesen möchte, findet es hier .
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