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Markt - Digitalisierung

Arbeiten an der digitalen Zukunft

Die Digitalisierung der Fahrradbranche voranbringen: Das ist ein häufig genanntes Ziel, auf das sich alle Marktteilnehmer einigen können. Doch was bedeutet das genau und wer macht hier eigentlich genau was?

Um den Sinn und Nutzen von Digitalisierung in der Branche verstehen zu können, muss man zunächst einmal die Grundlagen überblicken. Schon an dieser Stelle kann es schnell unübersichtlich werden. Verschiedene Akteure arbeiten an verschiedenen Aufgaben in dieser neuen digitalen Welt. Zu verstehen, warum es gewisse Projekte braucht und welche langfristigen Vorteile sie bieten, ist eine echte Herausforderung für alle Beteiligten, einschließlich der Zielgruppen, deren Arbeit damit erleichtert werden soll.
Dieses nötige Maß an Voraussicht bedarf Kompetenzen auf den verschiedensten Gebieten. Man muss verstehen, was der Branche hilft, welche Strukturen in den digitalen Prozessen abgebildet werden müssen, welche Abläufe verbessert werden können und welche Mehrwerte am Ende mit digitalisierten Geschäftsprozessen geschaffen werden können. Im ersten Teil dieser Serie soll es darum gehen, einige der relevanten treibenden Kräfte in diesem Prozess vorzustellen und übersichtlich zu erklären, was sie von den anderen Digitalisierungsexperten unterscheidet.
In den nächsten Teilen dieser Serie wird es darum gehen zu zeigen, wie weit die Branche in ihren Digitalisierungsprozessen gekommen ist, woran gerade gearbeitet wird und wo noch offene Aufgaben bestehen.


Die DealerCenter Digital GmbH entwickelt und betreibt das BikeCenter – ein offenes, digitales Kiosk- und Beratungssystem speziell für den stationären Zweiradfachhandel. Aktuell nutzen über 750 Fachhändler in Europa das System, mehr als 120 Herstellermarken sind angebunden.
Das BikeCenter steht als interaktives Terminal direkt auf der Verkaufsfläche und bündelt alle beratungsrelevanten Informationen an einem Ort: Produktdaten sämtlicher angebundener Marken, Echtzeit-Verfügbarkeiten beim Hersteller und im eigenen Lager, dazu Beratungs-Tools wie Rahmengrößenrechner, Reichweitenrechner, Dienstrad-Leasing-Infos oder die seit Kurzem integrierte E-Bike-Inzahlungnahme.
Der Schwerpunkt liegt klar am Point of Sale, also dort, wo Kunde und Händler aufeinandertreffen. Das BikeCenter digitalisiert nicht die Lieferkette oder den Datenaustausch im Hintergrund, sondern das Verkaufsgespräch selbst. Ziel ist es, den stationären Fachhandel zu stärken, indem Händler alle Vorteile der Digitalisierung direkt in der Kundenberatung einsetzen können.
Die Abgrenzung zu den anderen genannten Akteuren: Veloconnect, Bidex, DiBike und der ZIV-Marktdatenservice arbeiten an Schnittstellen, Datenstandards und Marktinformationen, also der digitalen Infrastruktur im Hintergrund. Das BikeCenter ist das sichtbare Front-End auf der Verkaufsfläche: die letzte Meile der Digitalisierung im Fachhandel. Dabei greift es auf Teile dieser Infrastruktur zurück und macht sie direkt im Kundengespräch nutzbar.


Der ZIV-Marktdatenservice schafft eine gemeinsame Datengrundlage für die Fahrradbranche in Deutschland. Das Projekt bündelt Abverkaufs- und Bestandsdaten aus dem Handel, bereitet diese strukturiert auf und macht Marktentwicklungen früh und verlässlich sichtbar. Dadurch erhalten Hersteller, Lieferanten und weitere Branchenakteure eine bessere Entscheidungsbasis für Produktionsplanung, Sortimentssteuerung, Absatzprognosen und die Bewertung aktueller Markttrends. Dem Handel bietet der Marktdatenservice einen kostenfreien Zugang zu den aggregierten Daten, der entscheidende Vorteile bei der Sortimentsplanung bringt sowie die Möglichkeit, sich selbst gegenüber dem Markt zu vergleichen.
Die Schwerpunkte liegen auf der standardisierten Erfassung relevanter Absatzzahlen, insbesondere von Fahrrädern, E-Bikes, Komponenten und Zubehör, sowie auf der branchengerechten Auswertung und Darstellung dieser Informationen. Im Mittelpunkt stehen aggregierte Marktinformationen, die Rückschlüsse auf Nachfrage und Trends, Lagerbestände, Abverkaufsdynamiken und regionale oder segmentbezogene Entwicklungen ermöglichen. Ein weiterer Fokus ist die einfache Anbindung von Händlern und Warenwirtschaftssystemen, dadurch werden die Daten effizient und mit geringem Aufwand übermittelt.
Der Unterschied liegt im Branchenansatz: Der ZIV-Marktdatenservice ist als gemeinschaftliches Datenportal für die Fahrradbranche angelegt und nicht als kommerzielles Einzelangebot eines einzelnen Marktteilnehmers. Für die Fahrradbranche in Deutschland gibt es bislang kein vergleichbares, breit angelegtes System, das Handelsdaten systematisch zusammenführt und neutral für die gesamte Branche nutzbar macht. Damit schließt der Service eine wichtige Lücke im Bereich der Marktanalyse und bringt gleichzeitig die dringend notwenige Verbesserung der Datenqualität voran.


DiBike (Digitize Bike Business) ist eine gemeinschaftliche Digitalinitiative der europäischen Fahrradwirtschaft. Ziel ist es, die Digitalisierung der Branche durch offene Standards, gemeinsame Infrastruktur und branchenweite Koordination voranzubringen.
Im Mittelpunkt steht nicht der Betrieb einer Plattform oder eines Marktplatzes, sondern die Entwicklung und Pflege von Grundlagen, die von möglichst vielen Marktteilnehmern genutzt werden können. Dazu gehören Standards für den Datenaustausch, gemeinsame Referenzdaten sowie neue digitale Infrastrukturprojekte.
DiBike engagiert sich unter anderem bei der Weiterentwicklung des Schnittstellenstandards Veloconnect, offener Produktdatenstandards wie Bidex Basics sowie neuer Initiativen rund um den digitalen Produktpass, Datenräume und den Leasingcheck. Die Standards selbst stehen eigenständig, DiBike schafft die organisatorische und technische Grundlage für ihre Weiterentwicklung und Verbreitung.
2025 vom Zweirad-Industrie-Verband und dem Verbund Service und Fahrrad (VSF) gegründet, arbeitet DiBike mit Herstellern, Handelsorganisationen, Warenwirtschaftsanbietern und weiteren Branchenakteuren zusammen.
Im Unterschied zu kommerziellen Anbietern entwickelt DiBike keine proprietären Lösungen für einzelne Unternehmen, sondern verfolgt einen branchenweiten Ansatz: Interoperabilität schaffen, Doppelarbeit vermeiden, gemeinsame Standards dort etablieren, wo sie der gesamten Branche nutzen.


Veloconnect ist der offene Branchenstandard für den digitalen Datenaustausch in der Fahrradwirtschaft. Über den Standard können Hersteller, Lieferanten, Händler, Werkstätten, Onlineshops und Warenwirtschaftssysteme Informationen automatisiert austauschen.
Der Standard definiert einheitliche Prozesse und Datenformate für typische Geschäftsabläufe: Produktdaten, Verfügbarkeiten, Bestellungen, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine, Rechnungen sowie Verkaufs- und Bestandsmeldungen. Unterschiedliche Softwaresysteme können so miteinander kommunizieren, ohne dass für jede Verbindung individuelle Schnittstellen entwickelt werden müssen.
Für den Fachhandel bedeutet das konkret: Wer ein angebundenes Warenwirtschaftssystem nutzt, kann Verfügbarkeiten abfragen, Bestellungen aufgeben und Lieferdaten empfangen – direkt aus der eigenen Software, ohne manuelle Zwischenschritte.
Veloconnect wird heute von DiBike gemeinsam mit Herstellern, Händlern, ERP-Anbietern und Integrationspartnern weiterentwickelt. Der Standard ist offen und kann von allen Marktteilnehmern genutzt werden.
Aktuell sind mehr als 130 Veloconnect-Server im Einsatz. Über die angebundenen Warenwirtschaftssysteme können mehr als 7000 Fahrradhändler in Europa Veloconnect nutzen. Zu den Anwendern gehören zahlreiche Hersteller, Großhändler, Einkaufsverbände und Softwareanbieter.


Die Grundlage bilden die Bidex Basics. Dabei handelt es sich um offene und kostenfrei verfügbare Datenstandards für Fahrräder, Komponenten und Zubehör. Die Bidex Basics definieren einheitliche Datenfelder, Warengruppen und Werte – beispielsweise für Fahrradtypen, technische Merkmale oder Farben. Ziel ist es, dass Hersteller, Händler und Softwareanbieter Produktdaten in einer gemeinsamen Struktur austauschen können. Dadurch wird der enorme Aufwand reduziert, der bisher durch unterschiedliche Datenformate und individuelle Herstellerstrukturen entsteht. Die Bidex Basics werden als Non-Profit-Bereich kontinuierlich für die Branche weiterentwickelt und stehen allen Marktteilnehmern offen zur Verfügung. Künftig erfolgt die Weiterentwicklung der Standards gemeinsam mit der DiBike, um eine möglichst breite Branchenbasis und eine einheitliche digitale Infrastruktur zu schaffen.
Darauf aufbauend bündelt Bidex im Bereich BikeData die operative Datenversorgung. BikeData ist das Bidex Datacenter, in dem Produktdaten zahlreicher führender Fahrrad-, Komponenten- und Zubehörmarken zentral aufbereitet, harmonisiert und gehostet werden. Händler, Plattformen und Softwareanbieter erhalten dadurch standardisierte und sofort nutzbare Produktdaten für Webshops, Onlinekataloge, ERP- oder POS-Systeme. Während die Bidex Basics die gemeinsame Sprache definieren, sorgt BikeData dafür, dass diese Daten in hoher Qualität tatsächlich verfügbar werden.
Der dritte Bereich ist Bidex BikeLocal. Hier geht es um die Vernetzung lokaler Händlerverfügbarkeiten mit digitalen Vertriebskanälen. BikeLocal ermöglicht es, die Lagerbestände und Verfügbarkeiten von Fachhändlern direkt auf Hersteller-Webseiten sowie auf reichweitenstarken Plattformen wie Bosch, Bikeshops.de, Mobile.de und auch auf Händlerhomepages anzuzeigen. Endkunden sehen dadurch sofort, welche Produkte lokal verfügbar sind, während Händler zusätzliche Sichtbarkeit und digitale Reichweite erhalten. Im Unterschied zu einzelnen Softwarelösungen oder Plattformen verbindet Bidex damit Standards, Dateninfrastruktur und digitale Handelsanbindung zu einem gemeinsamen Ökosystem für die Fahrradbranche.

17. Juli 2026 von Daniel Hrkac

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